Text: holy diver
Nahe Radtour, von der Quelle bis zur
Mündung und weiter
Im Vorfeld der Tour war unsere Erfahrung mit
Mehrtagestouren wie dieser fast Null. Umso genauer
sollte die Planung sein. Die Probleme reichten von der
machbaren Etappenlänge bis zum nötigen
Reisegepäck. Vorweg, es stellte sich heraus dass wir
manches zu viel dabei hatten und manch Wichtiges zu wenig. Aber mehr dazu gleich.
Start zur ersten Etappe war die Nahequelle bei Selbach. Wir ließen uns dort hin
chauffieren da die Strecke für 3 Tage zu lang gewesen wäre. Nun los, alles aus dem
Auto und ans Rad montiert. Spätestens da wurde klar dass unser Gefährt nun etwas
schwerfälliger sein würde als bei unseren vorherigen Touren. Alles klar, noch ein Bild
geschossen und los!
Nur nach ein paar hundert Metern erreichten wir die Nahe Quelle.
Ohne langen Aufenthalt - nach kurzen Orientierungsproblemen gings
weiter. Die erste Etappe war offiziell gestartet. Nicht für lange, wie sich
zeigte. Nach stolzen 12 km fehlte eine Radwegmarkierung und wir
erkletterten
den Ersten Berg, unnötigerweise wie sich
später ersehen ließ. Ein Luftraubender
Anstieg...Luftraubender als wir uns das am
Hang noch dachten. Oben angekommen,
kurz verschnauft und gemerkt dass wir
falsch sind. So ein Misst! Den Berg umsonst…! Karte raus und
ne neue Route gesucht. Die Richtung gefunden doch die
Luft war raus. Platt!! Ich hatte platt! Nach kurzen 12,5 km,
platt! Ich war fassungslos und Signalisierte sogleich. Michi:
„Jetzt schon platt? Komm das geht noch.“  Ich: „Ned ich
bin platt, de Räf is platt!“. Michi der voraus war drehte und
kam zurück. Beim näherkommen vernahm ich ein mir kürzlich bekanntes
und jetzt schon verhasstes Geräusch. Zzzschzzzschzzzzsch!!! Ich meinte noch zu Michi:
„Ich hoff das ist deine Trinkflasche“. Doch wie befürchtet, auch platt! Unglaublich beide
platt. Also beide Antreten zur Reparatur. Ein Ersatzschlauch war vorhanden der zweite
musste geflickt werden, was sich als nicht besonders effektiv heraus stellen sollte. Wir
mussten ständig nachpumpen. Die Erste Halbzeit im Deutschland WM Spiel lief bereits
und wir versuchten es noch zur nächsten Kneipe.
Wir fanden eine kleine, mindestens 100 Jahre alte, Dorfkneipe in Birkenfeld. Erst mal ein
kühles Blondes auf den Stress und die 2. Halbzeit des Spiels anschauen. Der Ausgang ist
bekannt und hob unsere Stimmung auch nicht gerade. Dank der Hilfe des Wirts und
einiger Gäste organisierten wir neues Flickzeug und reparierten Michis Schlauch erneut.
Weiter gings - wir waren weit in unserm Zeitplan zurück auf der ersten und
wahrscheinlich anspruchsvollsten Etappe. Nach ein paar km noch eine Rampe und
das gleiche Spiel. Michi am ende des Bergs, platt. Wieder flicken. Ich bin langsam
gereizt! Wir bekamen kein Stück und ich dachte schon ans abkürzen per Zug! Doch für
Michi kam das gar nicht in die Tüte, also stellten wir uns den Widrigkeiten. Die Luft hielt
immer noch nicht richtig und dann hatte ich wieder platt, mit dem neuen Schlauch!
Unglaublich! Doch genau in diesem Moment erschien am Horizont ein Baumarkt
Schild. Die Rettung! Gleich wurden 4 neue Schläuche mit Pannenschutz gekauft was
bei unserem Verschleiß  eine sinnvolle Investition sein sollte. Dies war unsere letzte
Reparatur bei dieser Tour, die Pannenschutzschläuche waren die richtige Wahl. Jetzt
läufts! Die km fallen der Pannenfluch ist gebrochen. 80 km in hohem tempo bringen
uns dem Ziel Bad Kreuznach schnell näher und lassen uns wieder etwas der verlorenen
Zeit aufholen. Doch es kostet Kraft! Nach 112 km lag dann das Etappenziel vor uns und
auch über uns – max. 15% Steigung  1,2 km lang – jetzt die letzten Reserven
mobilisieren und durch! Nach unendlich wirkenden Minuten war das Etappenziel
erreicht! Die Jugendherberge in Bad Kreuznach lockt mit Weizenbier im Bistro dessen
Scharm wir uns natürlich nicht entziehen konnten. Und schnell dann Duschebett!!!
Noch eine kleine Weisheit am Rande, Fahrradschloss ist gut, Fahrradschloss und
Schlüssel ist besser!
Der Tag der zweiten Etappe begann mit einem kräftigen Frühstück. Notwendig für unser
Tageswerk. Ca. 10:00 Uhr verließen wir rollenderweise das Gelände der
Jugendherberge um uns erst mal mit Getränken aus dem Supermarkt einzudecken.
Die Strapazen des ersten Tages steckten noch spürbar in den Beinen. Also wurde erst
mal ein lockeres Tempo
vorgelegt richtung Bingen zur Nahemündung in
den Rhein. Ein starker Wind bläst
uns entgegen und kühl ist es geworden.
Nach ca. 20 km gemütlichen
dahinradeln erreichten wir
gerade noch trockenen
Rades die Mündung in
Bingen. Kurze Fotopause und
weiter gings
zurück nach Bad
Sobernheim über
Bad Kreuznach und dort
auf den Glan-Blies-
Radweg. Mit Rückenwind
erreichten wir den
Radweg recht schnell.
Dann war WM Zeit.
Wir gönnten uns ne
zweistündige Pause
mit einer warmen
Malzeit und nem
Weizenbier im Biker Stop
bei Boos. Entspannt
und mit neuer Kraft aus den
isotonischen
Gerstensäften konnten wir nun das Tempo
forcieren. Die km fielen
schnell bis kurz vor Kusel wo uns ein
Karlsbergbierstand den
Weg versperrte und den Express zum Stillstand zwang. Da
wir dann schon mal
standen war es sinnvoll hier unsere Energiereserven für die letzten 10 km mit einem
Bierchen und ner Rostwurst aufzufüllen. Das Dorfest von Rammelsbach erwies sich dafür
als sehr geeignet. Doch lange hielten wir uns nicht auf und machten uns gleich danch
auf zum Etappenziel Thallichtenberg. Die Beine wurden langsam sehr schwer und da
schickt uns, ein wahrscheinlich verdrehtes Fahrradwegschild, einen Berg (ca.15%-
300m)hoch dessen Weg im Nichts endet und wir wieder zur Hauptstraße zurück
mussten. Ärger macht sich breit im Gedanken an den unnötigen Kraftaufwand kurz vor
dem langen Anstieg zur Burg in der unser Ziel die Jugendherberge beheimatet ist.
Nach ein paar flachen Metern dann das Schild zur Burg und sogleich begann sich der
Asphalt vor uns aufzurichten. Booohr is das ne Rampe!! 1,5 km und noch
Kraftraubender als die Bergankunft des Vortages. Nach qualvollen Minuten - die Beine
brennen - ist es dann geschafft wir rollten durch das Portal der Burgmauern. Ein
befreiendes und gutes Gefühl den gefürchteten Anstieg am Etappenende nach knapp
125 km geschafft zu haben.     Weizenbierduschebett!!!
Tag 3, die dritte Etappe. Heute sind die Beine noch schwerer. Nach dem Frühstück
geht’s weiter. Erst mal ne kleine Besichtigung der Mittelalterlichen Burgruine. Dann
wieder ab auf die Straße. Nach einem kurzen Anstieg wartete uns eine lange, die Beine
schonende, Abfahrt nach Kusel. Nochmal schnell an einer Tankstelle Getränke
aufgefüllt und weiter in Richtung Altenglan zurück zum Glan-Blies-Radweg. Heute sollten
es nur knapp 75 km werden. Doch es dauerte ein paar km bis die Beine auf
Temperatur kamen und das Tempo dem der letzten Tage näher kam. Auf dem uns
bereits bekannten Stück des Radweges ging`s nun schnell voran. Bis kurz vor Waldmohr
liefs. Doch dann Muskelprobleme, der Motor beginnt zu stottern. Also kurzer Stopp um
das Brennstoffgemisch zu überprüfen und aufzufüllen. Ob es der  Pils-Stop ein paar km
zu vor beim Knochen war der das Gemisch verunreinigt hat? Ich kann es mir nicht
vorstellen. Naja, frisch gestärkt gings schnell weiter. Eigentlich etwas zu schnell denn wir
verpassten unsere Abzweigung nach Homburg und bemerkten unsere Irrfahrt erst km
später auf dem Weg nach Misau. Karte raus und neu Navigiert. An dieser Stelle sei
erwähnt dass sich Karten auf solch einer Tour immer
wieder lohen. Sich einzig
immer auf die Fahrradwegbeschilderung
zu verlassen kann, wie wir
auch schon erlebt, im nichts enden.
Wieder auf Kurs gings nun
bis Blieskastel. Dort ist Altstadtfest und
wir feierten unsere Leistung
der der letzten drei Tage bei ein paar
Pils bevor wir die zu den
letzten 5 km nach Hause aufbrachen.
Eine tolle Tour die Lust auf neue
Herausforderungen macht. Trotz
aller Probleme zu Anfang der Rundfahrt,
mit Reifenpannen und weiteren
Reifenpannen. Und nun mit schmerzendem Gesäß und ausgelaugten Oberschenkel
schießen mir doch schon wieder neue Ideen und Routen durch den Kopf. Ich glaub
Radfahren macht irre!