Zu allererst möchte ich mich mal über den Wettergott negativ auslassen: OTR tourt im kalten Norden
– Sonne im Süden. OTR in den Bergen – Sonne auf Sylt, Unwetter in den Alpen. Irgendwie
suboptimal, oder?
Nichts desto trotz bin ich einen Tag gefahren, wenn auch nur die verkürzte Etappe Oberstdorf –
Riedbergpass – Hittisau – Rohrmoossattel – Oberstdorf (83 km)
Bei Sonnenschein und 20°C gings um die Mittagszeit los. Nach 5km Einrollen
dann der Anstieg zum Riedbergpass, der höchsten Passstraße Deutschland.
Im Durchschnitt ist der Anstieg 9% steil und ca. 13km lang. Bereits ganz am
Anfang testete eine 20%-Rampe die Beine, dann gings humaner weiter. Im
Mittelteil dann die schwerste Passage: Über 4km bewegt sich die Steigung
zwischen 15 und 18%. Hinzu kommt, dass die Straße komplett in der Sonne
liegt (nicht auszudenken, wie das hier bei 30°C
abgegangen wäre). Die Geschwindigkeit ist nun im
niedrigsten Gang bei 7-8km/h, der Puls konstant bei 180. Nach ca. 700
Höhenmetern ist die Passhöhe erreicht und ich klatschnass.
Gott sei Dank haben wir mittlerweile die gröbsten Anfängerfehler hinter uns
und ich ein trockenes Unterhemd und vor allem eine Windjacke dabei. Ohne
die kann man die Abfahrt mit Geschwindigkeiten von
bis zu 60km/h direkt mit einer Lungenentzündung beenden. Trotz trockener
Fahrbahn drückt das Rad in den Kurven unheimlich nach und die Bremsen
werden voll gefordert (die Abfahrt gibt’s auf der Helmkamera). Vom Panorama
ist so ne Abfahrt für nen Flachländler net zu toppen und nachdem ich die
steilsten Passagen gaeschafft hatte gings sanft mit 3-4% durch das
Balderschwanger Tal hinüber nach Österreich ins Dörfchen Hittisau –
Genussradeln pur. Dort wurden die Getränkeflaschen aufgefüllt, allein bis dahin
hab ich fast 3 Liter getrunken und wohl direkt wieder ausgeschwitzt. Die Fahrt zurückt durch das
naturgeschützte Rohrmooser Tal (d.h. hier dürfen keine PKW rein) war dann landschaftlich noch
einmal eine Stufe besser. Zudem der Anstieg viel einfacher als der Riedbergpass ist und nur ne
Durchschnittssteigung von 6% hat. Leider braute sich nun am Himmel das angekündigte Unwetter
zusammen. Ich fuhr trotzdem mal noch zur Heini-Klopfer-Skiflug-Schanze und war ganz zufrieden,
dass diejenigen die da runterfliegen doch noch nen ganz gewaltigen Tick
wahnsinniger sind. Dort beginnt dann auch der 8km lange und im Durchschnitt
13% steile Anstieg zur Schlappold-Alm, der eigentlich das krönende Finale
werden sollte. Doch langsam setzte der Regen ein und auf nasser Straße
Passagen mit bis zu 25% runter zu fahren kam mir dann doch etwas
unvernünftig vor.
Kurz nachdem ich in der Pension war, gings dann auch richtig ab und es regnete durch bis zum
nächsten Abend. Daher ließ ich auch die zweite geplante Etappe ausfallen und schob kurzerhand nen
Saunatag in der durchaus zu empfehlenden Oberstdorfer Therme ein.
Fazit: Die Schlappold-Alm bleibt das nächste Ziel. Darüber hinaus war ich von der
Durchschnittsgeschwindigkeit von 21,5km/h extrem positiv überrascht, da diese somit auch in den
Alpen Etappen von 100-120km Länge erlaubt und die Alpenüberquerung immer realistischer
erscheinen lässt. Und auch ein erster Vergleich zu den Riesen der Tour de France sei erlaubt: Der
Anstieg zum Galibier ist zwar 17km lang, die Steigung geht aber nie über die 12%-Marke.