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Nach langem Hin und Her entschieden wir uns dieses Jahr für zwei der
berühmtesten und beliebtesten Spots der südlichen Alpen:
Das Vinschgau in Südtirol und Finale Ligure am Mittelmeer.
Über Fern- und Rechenpass erreicht man in gut 6 Stunden das Vinschgau,
wo wir in Burgeis bei Glurns ein sehr gut ausgestattetes Bike-Hotel mit top
Essen und vielleicht etwas verbesserungswürdiger Freundlichkeit beim
Führungspersonal vorfanden.
Leider spielte das Wetter nicht mit und der erste Tourentag musste
aufgrund von Regen, Nebel und Kälte in talnähe verlegt werden. Auf
dem sehr lohnenswerten Sonnensteig-Trail ging es 15km Richtung
Süden. Ein sehr schöner S-0 Trail am Hang entlang der kaum hm
macht und einige Aussichtspunkte über das Tal bietet. Zurück
gings durch die mittelalterlichen Städte Glurns und
Mals  nach Burgeis.
In der ortseigenen Sennerei wurde dann die
passende Brotzeit eingekauft um im Erkerzimmer
des Hotels den Biketag ausklingen zu lassen.
So waren wir am Tag 2 fit für die Monster-Tour: Um halb 9 Uhr gings mit
dem Shuttle zum Start auf den Ofenpass in die Schweiz auf
rund 2000m. Von dort aus gings auf zum Passo del Gallo, der
uns gleich mal mit 23%Rampen begrüßte. Nach einer Stunde
Strampeln und Schieben bis zum Pass, der auch die Grenze zu
Italien markierte, führte uns der Trail mit mächtig Tempo runter
zum Lago di Livigno. Kurz folgen wir noch dem See bis wir dann
kurze Zeit später zum Stausee Lago di Cancano gelangen der
uns
noch vom Alpencross des letzten Jahres bekannt war. Von hier
gings damals bergab Richtung Bormio.
Deutlich unschöner das heutige Programm: Über 3 Stunden,
900hm hinauf zur Forcolla-Scharte, davon über 2 Stunden
Schieben dank durchschnittlichen 15% Steigung
auf fiesem grobem Schotter. Nicht nur einmal
stellte sich die Frage des „Warums“, zudem geriet
unser Zeitplan aus den Fugen. Oben
angekommen entschädigte der Trail, runter zum
Umbrail, für einiges – doch bei weitem nicht für
Alles.
Eigentlich waren wir eine Stunde über unserer Deadline für den
berüchtigten Goldseetrail als wir am Umbrailpass ankamen. Doch hielten
wir Kurs. Bei der Auffahrt zum Stilfser Joch hatte Rouven das Handy zum
Anruf für den Abbruch schon in der Hand. Die Kräfte
schwanden und die fordernde Abfaht lag noch vor uns.
Jedoch spielte das Wetter mit und dank Lasagne-Trick auf dem
Passo Stilvio zogen wir den Plan durch. Also weitere 150hm hoch
auf die Dreidrachenspitze auf 2900m.  Hier beginnt das
Trailvergnügen!  Erst mit viel Flow, dann immer wieder
kleinere fordernde verblockte Passagen, die die letzten
Körner kosten.
Gegen 18 Uhr erreichen wir die Furkelhütte und starten eine
Trailabfahrt von über 1000hm hinunter nach Stilfs und Prad.
Der Akku ist leer. Doch um die Tour zu beenden mussten noch ca.
400hm und 13 km das Tal hinauf zum Hotel in Burgeis bewältigt werden.
Nach 11 Stunden auf dem Rad und 2300 hm erreichten wir um halb 9
unser Ziel.
Ne heftige Tour für uns die aber auf der Erlebnisscala ganz weit oben steht.
Die Lust aufs Radfahren hielt sich dann am dritten Tag schwer in Grenzen.
„Schwere“ Beine ließ uns das heutige Programm liftunterstützt gestalten. In
Tarsch bei Latsch gings mit dem Sessel hoch auf 2000m zur
Tarscher Alm und einem gemütlichen zweitem Frühstück. Dann
gings über den vom freundlichen Liftpersonal als „legendär“
angepriesenen „Vier gewinnt“-Trail über 1300hm hinab ins Tal.
Insbesondere der obere Teil war jedoch sehr Enduro-lastig und
einige Millimeter Federweg mehr wären genial gewesen. Unten
wurde er dann immer flowiger und rechtfertigte seinen Ruf dann
auch in unseren Augen.
Leider schlossen sich 450hm knackiger Aufstieg zur Talstation an – denen
am Ende nur Rouvens Sonnenbrille zum Opfer fiel.
Am nächsten Morgen gings mit dem Auto ganz gemütlich über das Stilfser
Joch Richtung Mittelmeer und damit gleich mal 10°C mit der Temperatur
hinauf.
Am nächsten Morgen starteten wir früh ins bergige Hinterland. Nach 2
Stunden begingen wir den ersten schwerwiegenden Fehler, als wir ins
Sommercamp aller am Mittelmeer beheimateten Pferdebremsen
platzten. Die Flucht über schmale Pfädchen brachte den Puls erstmals an
die 200 heran. Ab diesem Zeitpunkt ließen sie uns nicht mehr wirklich in
Ruhe und reduzierten den Spaßfaktor doch erheblich. Die eigentlich
schöne Strecke war zudem knüppelhart mit vielen Schiebepassagen,
weswegen wir nach 30 km Richtung Meer abbogen. Bei tollem
Meerblick war der Spaß direkt zurück und es ging über
diverse Strandbars an der Küste zurück. :-)
Nach einem reinen Strandtag kam auch die Lust aufs
Biken zurück – zumindest teilweise. Einen
zweistündigen Anstieg mit 1000hm auf einer
kurvigen Bergstraße mit schönem Panorama
nutzten wir als Frühsporteinlage. Ab dann gings
bergab – am Anfang etwas ruppig, dann sehr
flowig mit direktem Meerblick und vielen
Steilkurven.
Nach einer kurzen Pause an einer Wallfahrtskapelle forderte der letzte
Abschnitt mit anspruchsvollen und steilen Passagen noch mal Mut und
den ganzen Körper.
Als Belohnung gabs in Finalborgo, der historischen Altstadt von Finale
Ligure, die eigentlich viel schöner als die Strandpromenade ist, eine dicke
Portion Spagetti Carbonara.
Diese wurde am letzten Tag, den wir
durchgehend liegend mit Mister Croc am
herrlichen klaren Strand verbrachten, noch
einmal getoppt. Ein hervorragendes
italienisches Menü (wieder in Finalborgo)
bildete den kulinarischen Höhepunkt der
Reise.
Die Heimreise gestalteten wir mit einem Zwischenstopp
und  gemütlichem Grillabend bei Fam. Nygkls in
Rheinfelden. Vielen Dank für den schönen Abend an
dieser Stelle.
Fazit: Beide Spots haben ihren Ruf als MTB-Traumrevier zu Recht.
Während die Jahreszeit für das Vinschgau optimal gewählt war, sind
Ganztages-Touren in Ligurien eher etwas für Frühjahr und Herbst. Lässt
man es etwas ruhiger angehen und ist mit einer Halbtages- oder
Freeridetour und anschließenden Strandaufenthalt ebenfalls glücklich,
ist Finale auch im Sommer absolut empfehlenswert.