Text: Michi
Vogesen-Tour 2010 - oder
„Die zwei Wege…“
Rechts oder links – das war hier die Frage!!!
Vorwort
Nach der Schwarzwald-Tour sollte es diesmal noch eine Etage höher gehen.
Die höchsten Gipfel der Vogesen standen diesmal auf dem Programm, dazu
idyllische Seen und Weinberge – immer mit einem Weltklasse-Panorama
gratis…
Die Etappen-Übersicht (in Klammern die geplanten km, hinten die realen)
1.
Etappe
Guebweiler – Guebweiler (60km)
61,37km
2.
Etappe
Munster – Munster (80km)
84,93km
_________
        
145,37km
Die Tour in der Übersicht:
Blau: die 1. Etappe
Grün: die 2. Etappe
Rot: Ein sogenanntes Wollknäuel
1. Etappe: Rund um Guebweiler
Böses schwante Rouven, als er erfuhr, dass Michael für diese Tour Etappen
von lediglich 60 bzw. 80km angesetzt hatte. Und – dies sei verraten – er sollte
nicht enttäuscht werden. Die erste Etappe startete in Guebweiler direkt vorm
Hotel, deren Chef uns ein Zimmer für einen Monat später reserviert hatte. So
gabs ein „Komfortzimmer“ zum gleichen Preis und ab ging die Post.
Nach 3km Einrollphase begann der Anstieg zum Grand Ballon. Wir wählten
die Variante über den Col d`Amic mit einer neu asphaltierten, ruhigen
Seitenstraße. Die ersten 9km führte der Weg mit einer Steigung von 4-5%
durch ein Waldstück, danach erreichten wir die Route des Cretes, wo´s auch
gleich mal ordentlich zur Sache ging. Längere Passagen mit ca. 10% Steigung
in Kombination mit kräftigen Windboen testen die Oberschenkel. Nach
weiteren 10km und nun insgesamt schon 1000 Höhenmetern bergauf
erreichten wir die Passhöhe, wo ein unschönes Zischen an Michaels
Vorderrad die Mittagspause etwas vermieste. Doch dank Ersatzschlauch ging
die Reperatur flott von statten (wir haben da ja mittlerweile auch Übung drin).
Bei gefühlten 5°C wäre die Abfahrt ohne ordentliche Ausstattung schwer
machbar gewesen. Aber dank Beinlingen und winddichten Jacken konnten wir
die herrlichen Panoramen wirklich genießen. Nach ca. 10km auf der
Höhenstraße ging´s dann zurück ins Tal, ohne auch nur von einem Auto
überholt zu werden. Euphorisiert und im Geschwindigkeitsrausch
entschlossen wir kurzerhand einen kleinen Abstecher über Soultmatt zu
fahren, um über die Weinberge heim zu tuckern. Beim kurzen Anstieg merkte
Rouven dann aber doch das charmante Vormittagprogramm in den Beinen, so
dass die kurze Etappenlänge durchaus ihre Berechtigung hatte.
Ein paar Daten:
Streckenlänge
 
61,87km
Höhenmeter bergauf:
1413m
Durchschnittsgeschwindigkeit:
18,03km/h
Höchstgeschwindigkeit:
67,85km/h
Fahrzeit:
         
3:24 Stunden
Nach einer kurzen Dorfrundfahrt gings ins Hotel, um frischgeduscht eiskaltes
Import-Bitburger bei der Sportschau zu genießen. Nach ordentlicher Pasta
und Pizza nebst ortsansässiger Pinot-Noir-Probe wurde an der Theke der
nächste Grand Ballon angegangen: Der Bedienung sei hier kein böser Wille
unterstellt, aber der Lagavulin fiel mindestens als Dreifacher aus. Mit einer
ordentlichen Bettschwere ausgestattet gings kurze Zeit später in die Federn.
2. Etappe: Rund um Munster…
Sensationellerweise schafften wir es erstmals unser geplantes
Morgenprogramm durchzuziehen. Muss an der disziplinierten Vorgehensweise
am Abend liegen – machen wir jetzt immer so. Mit dem Auto gings über den
Col de la Firstplan Richtung Munster, dem Ausgangspunkt der 2. Etappe. Die
Einrollphase fiel diesmal noch kürzer aus – bereits nach 2km begann in
Luttenbach der Anstieg zum Petit Ballon. Als wollte er gleich zeigen, dass er
nicht nur der kleine Bruder ist, gings jedoch die ersten 2km mit über 10%
deutlich steiler los. Nach 10km erreichten wir die 1000m-Höhe und wurden mit
tollen Ausblicken belohnt. Die letzten 2km bis zur Passhöhe gings dann
nochmal richtig zur Sache, trotzdem kamen wir relativ locker oben an. Auf der
anschließenden Abfahrt waren wir dann heilfroh nicht auf einem Rennrad zu
sitzen. Schlaglöcher und Rollsplit veranlassten uns doch zu gehörigem
Respekt und deutlich niedriger Geschwindigkeit als am Vortag.
Unten angekommen begann das Drama: Eine Abzweigung zu früh nach links
abgebogen (auf dem Schild stand zwar der richtige Ort – es war allerdings mal
wieder ein Wanderwegschild) und wir standen nach ca. 3 km Anstieg vorm
Wald. Kurzerhand entschlossen wir uns, es trotzdem zu versuchen –
schließlich haben wir ja Crossräder. Landschaftlich wunderschön, doch auch
knüppelhart auf felsigen Untergrund. Und 1200 Höhenmeter und 1 Stunde
später die Ernüchterung: Wir waren erneut am Ausgangsort (siehe Bild auf
Seite 1). Kurzum, zurück ins Dorf, wo wir auch prompt die richtige Abzweigung
fanden. Doch der Col de Platzerwasel gilt als einer der schwersten Anstiege in
den Vogesen. Mit durchschnittlich (!!!) 8-9% geht’s 10km mehrere Serpentinen
hoch. Nun fehlten Rouven die Körner aus der Extraschleife – nur noch Gummi
in den Beinen. Doch mit großen Willen und professioneller Motivation gings
Kurve für Kurve nach oben Richtung Route des Cretes, wo mit einer eisigen
Brise die nächste Herausforderung auf die geschundenen Körper wartete.
Abhilfe gabs in Form einer heißen Suppe in einer gemütlichen Ferme
Auberge. Leider konnten wir die letzten km auf der Route des Cretes aufgrund
der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr ausführlich genießen, auch den Anstieg
zum Hohneck musste Michael schweren Herzens canceln. Um 5 Uhr kamen
wir am Col de la Schlucht an, wo die Kleidung erneut auf warm und winddicht
umgestellt wurde. Was folgte war einfach nur ganz großes Kino: 20km Abfahrt
mit durchschnittlich 4% und einer Geschwindigkeit von permanent über
50km/h – anspruchsvolle Serpentinen mit einem grandiosen Ausblick ins
Münstertal auf der rechten Seite. Mit diesem Positiverlebnis, das selbst
Rouven bereits im Auto von der nächsten Bergtour sprechen ließ, traten wir
die Heimreise an, welche dann traditionell in der Tante Milli mit einem kühlen
Weizenbier endete.
Ein paar Daten:
Höhenmeter bergauf:
2046m
Etappenlänge:
85,77km
Durchschnittliche Geschwindigkeit:
16,27km/h
Strecke bergauf :
30,16km mit durchschnittlich 5%,
maximal 13%
Durchschnittliche Herzfrequenz:
121 Schläge/min (maximal 161)
Fazit:
Ganz großes Kino mit bleibenden landschaftlichen Eindrücken machen Lust
auf (viel) mehr. Die Profile nähern sich auch ganz langsam denen der Tour de
France an. So ist es kein Wunder, dass jetzt bereits um die nächste Stufe
nachgedacht wird – und das könnte vielleicht sogar schon der Gang in die
Alpen sein