Das war der
Nach langer Planung und dem geplatzten Termin des letzten Jahrs konnte die Tour nun endlich im
Juli 2013 stattfinden. Der Termin stand, die Unterkünfte waren gebucht und die Route war klar
definiert und gründlich durchdacht. Das Abenteuer konnte beginnen!
Und so haben wir´s erlebt:
Abenteuer Hinfahrt:
Am Anfang unserer Tour stand die Anreise nach Oberstdorf auf dem Programm. Geeignete Alternative - Die
Deutsche Bahn. Sie sollte uns zuverlässig zusammen mit unseren Bikes nach Oberstdorf bringen. Tickets und
Platzreservierung, für Mensch wie Bike, wurden schon zwei Monate zuvor gelöst um
die reibungslose Anreise zu gewährleisten.
Eingestellt auf eine gemütliche Bahnfahrt mit Ankunft gegen 16 Uhr in Oberstdorf
ging's los ab Hbf Kirkel.
Doch die Gemütlichkeit hatte in Heidelberg bereits ihr Ende. Dort sollten wir in einen
IC umsteigen wo Sitz- und Fahrradplatz reserviert war. Doch dachte sich die Deutsche
Bahn wohl dass sie an diesem Tag mal keine Lust hat einen Fahrradwagon anzuhängen. IC-Zug läuft in Bahnhof
Heidelberg ein - die Türen gehen auf - Menschen und ein Schaffner steigen aus. der Schaffner: "Ihr könnt hier
aber heute nicht mitfahren, wir haben keinen Fahrradwagon!" - die Türen gehen zu, der Zug fährt ab, Michi und
Rouven stehen am Bahnsteig!
Nach einer Stunde warten auf einen wahrscheinlich überfüllten Zug der, laut Bahn, keinen Platz
mehr im Fahrradwagon haben sollte - wir es aber "mal probieren könnten" - ging's dann mit diesem
doch weiter. Ich war stink sauer! Naja dann gab's noch nen Bahnunfall worauf unser Zug umgeleitet
wurde. Gefühlt über Hamburg! Ankunft 4 Stunden zu spät in Oberstdorf. Gestresste Ankunft im
Hotel, 21:30 Uhr, zum Essen gehetzt und ein Händel verdrückt. Ab ins Bett - morgen geht's los!
Blieb nur zu hoffen dass der Rest der Tour weniger Pannen für uns bereit hielt.
Etappe 1:
Etwas erholt vom Vortag doch mit leichten Verspannungen durch eine zu weiche Matratze ging's zur ersten
Etappe über den Schrofenpass nach Dalaas am Arlberg.
Ein flacher leicht ansteigender Auftakt der später allerdings den ein oder anderen knackigen
Anstieg parat hielt.
Dann der Aufstieg zum Schrofenpass. Hier war eine Stunde tragen und schieben bei sommerlichen
30° und Freiluftalpenpanorama angesagt. Gleich zur ersten Etappe gab's damit eines der
Highlights der Tour. Danach ging's talwärts über Warth und Lech zum 2. Anstieg des Tages auf zur
Freiburger Hütte. Nach kurzer Rast, ein Gewitter war im Anmarsch, ging's auf die Abfahrt zum
Etappenziel Dalaas. Doch der Abstieg kam zu spät das Gewitter war schneller als
erwartet und erwischte uns am halben Hang. Echt beeindruckend wenn Du keine 1000 m
entfernt nen Blitz einschlagen hörst. Im hektischen Abstieg zu etwas sichererem Gelände
wurden wir kräftig gewaschen. Etwas Nass wurde in Dalaas, in einem
Überdachten Biergarten, erstmal das Abendessen eingenommen
bevor wir den Weg zu unserer Pension antraten.
Das Pech vom Anreisetag war fast verflogen. Kleiner Defekt am
Schaltzug zwei kleinere Stürze und ein Gewitter mit Regen war
alles was davon übrig blieb.
Fazit: alles drin, super Tag, und super Pension in Dalaas mit Wäscheservice.
60Km, 1800hm, 5h reine Fahrzeit - Heiß auf mehr Alpen!!!
Etappe 2:
Nach den kräftigen Regenfällen vom Vortag und in der Nacht gings bei
strahlendem
Sonnenschein in den zweiten Tag. Heute sollte uns der Berg
fordern.
Mit langen Anstiegen mit Schotterrampen von bis zu 24%
und Schiebe/Tragepassagen von mehr als 2 Stunden
zeigten die Alpen was Sache ist im Hochgebirge. Während
der 2. Tageshälfte verschwand die Sonne und es wurde
grau mit gelegentlichem Sprühregen. Ein ungemütlicher
Aufstieg mit ca. 20 kg (Rucksack und Rad) auf dem
Rücken bis kurz vor der Heilbronner Hütte. Dort legten
wir eine kurze Rast ein und stärkten uns mit einer warmen
Suppe. Zur Belohnung gab's zur Abfahrt dann unerwartet wieder
Sonnenschein bei einmaligem Panorama, das uns bis Galtür begleitete. Dort
gab's die Entschädigung für den anstrengenden Tag - ein kühles Weizen und ein 3-
Gängemenü für 50 km und 1600 hm.
Etappe 3:
Heute ging's von Galtür nach Ischgl und über den Fimberpass nach Scoul. Nach
kurzem einrollen bis Ischgl gings dort über die Asphaltrampe der Talabfahrt unter
der Bergbahn erstmal streng bergauf bis zur Mittelstation. Hier blieben die ersten
Körner des Tages auf der Strecke. Von da an zog sich der Weg durch ein
wunderschönes Alpines Gebiet bis zur Heidelberger Hütte. Morgens am unteren
Berg noch mächtig ins Schwitzen gekommen wurde es hier nun langsam kalt.  Wir
nutzten die Hütte zur Rast und um uns trockene Klamotten anzulegen denn die
nächste Stunde war schieben hinauf zum Fimberpass auf rund 2600m angesagt.
Hier wechselte das Landschaftsbild, zuvor noch durch saftige Wiesen geradelt sieht's hier
nun aus wie auf ner Geröllhalde und gegenüber zartgrüne Gipfel im Nebel. Einmalig!!
Spätestens nach einem Blick Richtung Tal und auf den Trail der sich dort hinab schlängelt war
klar dass sich die Anstrengung gelohnt hat.
Es folgte erst eine technisch anspruchsvolle Abfahrt auf Geröll und Gesteinsplatten durch
Gebirgsbäche und Kuhherden - einfach traumhaft!
Nach der technischen Passage gings erst mal schnell auf einem Schotter Weg Richtung Tal bis
zu einer urigen Hütte von wo wir erneut auf einen Singeltrail abbogen und den Weg
Richtung Scoul einschlugen. Über Hängebrücken und Wurzeltrails führt uns dieser zu
einer einfachen Panoramaabfaht nach Scoul wo an diesem Tag Dorffest war. Wir
wußten was zu tun war und mischten uns, jedoch durch 50 km und
1600 hm etwas ermattet, unters Partyfolk.
Ein Bomben Tag den ich so jederzeit noch mal fahren würde!!
Noch zu erwähnen wäre die B&B Backpacker Unterkunft die wir dort
bezogen haben. Sehr schön gemacht in einer echt schönen kleinen
Stadt. Nur zu empfehlen.
Etappe 4:
Etappe 4 sagte nur 35km bei 1300 hm an. Die ersten drei Stunden ging es
ausschließlich bergauf, immer wieder steile Rampen und Serpentinen. Das Tal hinauf
Richtung S-Charl wird immer schöner und ist dann auch nicht mehr so
steil. Begleitet von einem Fluss und satten Wiesen sind die letzten
Kilometer bis zur Passhöhe die bisher landschaftlich schönsten der
Tour. Nach einer kurzen Stärkung bei einer Kuhalm kurz vorm Pass
ging's auf einem einsamen Hochgebirgstrail zum höchsten Punkt. Am
Rande der langen Abfahrt gab's Spagetti a la Mama-lü in Lü und wir
waren tatsächlich mal um zwei Uhr am Hotel in Santa Maria, hatten zeit zum waschen
und relaxen. Gefährlich: direkt gegenüber ist ein Whisky-Museum...... ;-)
Etappe 5:
Auch stand heute wieder ein langer Aufstieg von Santa Maria zum Umbrailpass an.
Serpentine um Serpentine bis zur Passhöhe von wo es rechts über einen Singeltrail
noch weiter hoch ging zum Bochetta di Forcola. Hier konnte man während einer
kurzen Rast alte Festungsreste des ersten Weltkrieges bestaunen, typisch für diese
Gegend. Von dort aus begann eine geniale Trailabfahrt die die Muskeln und
Bremsscheiben zum glühen brachte. Gegen ende wurde aus dem Trail ein breiterer
dennoch grober Schotterweg der in einen wohlriechenden Pinienwald
führte. Ein breites Grinsen findet man immer noch in meinem Gesicht
während ich das hier schreibe. Bei der Abfahrt schon merkte man daß
sich das Klima schlagartig änderte. Eine warme mediterrane Luft ließ
deutlich spuren dass wir nun in Italien angekommen waren.  Auf
den letzten Kilometern türmten sich dann Gewitterwolken auf denen wir
jedoch  mit einer schnellen Abfahrt entkommen konnten und trocken die Unterkunft
erreichten.
Bergfest! - stand dann auf dem Programm. Die hälfte der Tour war geschafft und wir suchten uns
ein würdiges Lokal für diesen Anlass. Jaja, feiern auf einem Alpencross ist tödlich hab ich oft
gehört, aber Spaß muss sein!! Wir haben gefeiert!! :-)
Etappe 6:
45 km, 1200hm waren geplant, eine lockere Erholungsetappe dank einer Liftfahrt mit
Bormio 3000. Leider war eben dieser Lift in Wartung so dass wir die Route kurzfristig
anpassen mussten und wir dann doch schon morgens ordentlich berghoch kurbeln
durften. Kurz vor Santa Catarina kamen wir wieder auf die ursprünglich geplante Route
und kurz darauf zum Anstieg über den Gavia Pass. Dieser  begann sehr flüssig. Doch
gemeiner weise kamen die Rampen erst gegen Ende und mein
Kreislauf machte mir mächtig zu schaffen. Ich schob das auf das gestrige Bergfest
insbesondere den Whisky, was Michi natürlich bestreite und die italienische Lösung zum
Problem hatte - Tiramisu am Gipfel !!
So stürzten wir uns "neu erfittet" in die bisher steilste und auch schnellste Asphaltabfahrt!
Nach etwa dreiviertel der Abfahrt ging's über einen recht schönen Singeltrail bis fast direkt
vors Hotel in Pezzo. Coole Unterkunft mit echtem Unterhaltungsfaktor. Solch ne Unterkunft
wünscht man sich auf nem Alpencross. Von der Bikewerkstatt über Wäscheservice bis zum Energieriegel
gab's dort alles. Gebt mal "yuri" "pezzo" bei youtube ein. Ein verrückter Hund.:-)  Aber genial hier, inklusive der
Ausblick von unserem Balkon!
Etappe 7:
Dieser Tag sollte einer der Highlights werden - doch von Anfang:
Gut erholt und nach reichhaltigem Frühstück gings sofort in den Berg. Zuerst
moderat auf Asphalt zum warm werden. Nach einem kleinen idyllischen
Bergdorf gings in den Anstieg zum Forcellina di Montozzo (2600m). Der Anstieg
verläuft fast komplett auf grobem Schotter und permanent zweistelligen %-
Bereich. Doch hier entschädigte die Aussicht auf die Berge des wunderschönen
Naturschutzgebietes. Und so erreichte man schnell eine kleine Hütte die zur Rast
vor der
letzten kurzen Schiebepassage zum Gipfel einlud. Am Gipfel auch wieder Ruinen
aus Kriegszeiten. Schnell was windschützendes übergezogen, die Kamera klar gemacht
und ab ging's! Der Trail sah von oben schon vielversprechend aus. Was er aber wirklich
zu bieten hatte hätten wir nicht vom Trail und auch von uns nicht erwartet.
Zu Anfang recht flowig dann steinig und dann steil und grob!! Hört sich erstmal nicht so
an aber der echte Spaß lag eher im zweiten Teil der Strecke. Hammer Trail kann ich nur
sagen, auf dem wir beide wie im Tunnel Richtung Tal ritten und über unsere
eigentlichen technischen Fähigkeiten hinauswuchsen. Da rutscht einem schon mal der
ein oder andere Freudenschrei raus bis man unten ist! Auch geschrienen haben unsere
Bremsen auf dem bis zu 30% steilen Trail. So gab's am Abend in Dimaro erst mal neue Bremsbeläge und ein 3-
Gängemenü. :-)
Etappe 8:
In Dimaro wurden wir noch vor dem eigentlichen Start der Etappe erstmal
gestenreich einheimisch italienisch verflucht. Grund waren grobe
Kommunikationsprobleme bei der hiesigen Post wo wir unsere, wegen des
warmen und trockenen Wetters, überflüssigen Klamotten los werden
wollten. Echt schwierig in Italien ein Päckchen nach Deutschland zu
schicken ohne ein Wort der Landessprache zu können. Aber ne witzige
Geschichte.
Dann ging es schattig berghoch, ohne dass zu steil oder hart wurde. Ansonsten keine technische Schwierigkeiten
heute, aber fast 40 Grad in der Mittagszeit.  Die Etappe war mit 50 km, 1400 hm, davon aber 30 km entspannt
bergab keine Konditionelle und auch keine technische Etappe. Nach ca. 2 Stunden in der Sonne radeln haben wir
uns kurz vor dem letzten Anstieg zu Ende der Etappe in einer Eisdiele abgekühlt. Vielleicht hätten 2 Kugeln auch
gereicht statt 4. Die zogen am Hang ganz schön bergab :-)
Das  Bike Hotel inkl. Pool und Wäsche Service war dann echt der Hit – mit Weizenbier und Tischkicker wurde der
Schlachtplan für die letzte Etappe ausgearbeitet – schließlich mussten wir Plan A,B und C erstellen, da wir die
letzte Fähre am Gardasee Richtung Süden erwischen mussten.
 
Schlussetappe 9:
Wie geplant saßen wir um 8 Uhr im Sattel und kurbelten vom Start weg
massiv berghoch. Die Beine waren gut und der Zeitplan ging auf: Um halb
10 waren wir nur noch 1 km vom Gipfel entfernt. Die nächsten zwei
Stunden sollten dann aber die härtesten der Tour werden. Erst hieß es
eine Stunde bergauf schieben und später ging nur noch tragen oder
zerren zum Bocca dell Ussol.
Oben dann die große Ernüchterung: der Trail war beim besten Willen
nicht fahrbar  - wir platt der Trail sau steil, rutschig, und weiter unten verblockt. Das
hatten wir nicht eingeplant und verloren neben der Motivation zu viel Zeit und Kraft um
Plan A nach Limone in der vorgegebenen Zeit umzusetzen. So entschieden wir nach Riva
zu fahren und wurden auf den letzten Kilometern von Ponale an mit grandiosen
Ausblicken belohnt.
Mit Weizen, Lasagne und Tiramisu am Seeufer von Riva del Garda wurde das erreichte
Ziel gefeiert, bevor es mit der Fähre drei Stunden Richtung Süden ging – zum Glück gab es eine Bar
an Bord!
Zum Abschluss der Tour standen dann noch zwei Tage Erholung am südlichen Gardasee an um die Tour und die
gewonnenen Eindrücke Revue passieren zu lassen. Wahnsinn was man von solch einer Tour alles mitnimmt. Wir
sind infiziert von der Faszination Alpencross und werden das auf einer anderen Route garantiert wiederholen.
Vielleicht mit der ein oder anderen Verstärkung .....  ;-)
Bedanken möchten wir uns bei den beiden Damen die uns eine
entspannte Rückreise ermöglicht hatten und uns am Gardasee
abgeholt haben.
Vielen Dank Isa und Steffi!
 
created by holy diver